testbild - bild eckhard etzoldNach zwei Jahren „Klarsicht“ ist hier Schluss. Zwei Jahre – eigentlich eine kurze Zeit – in der sich doch in der Schweizer TV-Szene ungewöhnlich viel verändert hat.

Etwa 3+, das sich unterdessen tatsächlich als ernstzunehmendes Schweizer Privatfernsehen etabliert hat. Das aber schon bald arg in Bedrängnis kommen könnte, da Ringier ebenfalls mit einem Unterhaltungskanal liebäugelt. Zumal das Schweizer Fernsehen gerade bei den jungen Zuschauern massiv verliert – was Werber in Scharen dazu treibt, ihr Geld durch die Schweizer Werbefenster in Richtung Deutschland hinaus zu werfen.

Oder die Digitalisierung, die schneller vorangeschritten ist, als selbst Optimisten zu hoffen wagten. Inzwischen sieht über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer digital fern. Das Wachstum ist allerdings primär dem Satellitenempfang und SwisscomTV zuzuschreiben, die beide ebenfalls weitaus stärker zulegen als von Experten prohphezeit. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn es gibt erste Anzeichen für eine Trendumkehr.

Und diese Anzeichen kommen von Kundenseite. Noch vor zwei Jahren dominierten die Beschwerden von Cablecom-Kunden. Das hat sich geändert: Die Cablecom hat ihren Kundendienst, ihr Programmangebot und der technische Zugang zum digitalen Fernsehen massiv verbessert: Mehr Sender, mehr HDTV, kostenloses on Demand der SF-Sendungen, bessere Empfangsboxen, die Möglichkeit gar ohne Empfangsbox digtal zu sehen. Ganz im Gegensatz dazu die  Swisscom. Immer mehr Kunden beschweren sich über Verschlechterungen beim Kundendienst, über technische Probleme beim Empfang oder ein – vorallem im Pay-Bereich – einseitig auf Teleclub fokussiertes Angebot. Ob sich da die Geschichte wiederholt – nur mit umverteilten Rollen?

Eine andere Geschichte wiederholt sich nicht, sie wird neu geschrieben. Zum Nachteil der Kunden. Denn ebenfalls in den letzten zwei Jahren haben die Sender fast unbemerkt von der breiten Bevölkerung einen Quasi-Standard eingeführt, der das Aufzeichnen von Sendungen erschwert. Noch leiden erst early Adapters unter den Folgen dieses „CI+“ genannten Entschlüsselungsinterfaces. Und genau das macht die Sache so gefährlich: Bis es die breite Bevölkerung bemerkt, wird es für eine Umkehr wohl zu spät sein. Das freie Aufzeichnen und Mitschneiden von Sendungen, das Überspulen von Werbung, kostenloses Archivieren – all das wird vermutlich schon bald ein Relikt aus der VHS-Vergangenheit sein.

Es scheint also alles danach auszusehen, dass die kommenden Jahre vieles in Frage stellen werden, dass bislang als unerschütterlich galt. Denn die Fernsehszene tut auch hinter den Kulissen das, was sie am besten kann: Für Spannung sorgen. Mattschiibe.ch bleibt weiterhin die erste Adresse für Fernsehnews – für technische Infos empfehle ich euch den Blog von Digichris und das Forum digi-tv.