3plusEr war jung und er brauchte den Kanal. Heute kommt das 3plus-Besitzer Dominik Kaiser teuer zu stehen. Vor dem Sendestart seines Senders benötigte er nämlich dringend eine Frequenz. Nur so war der Bundesrat bereit, eine Konzession zu erteilen. Die Rettung kam von der Cablecom und sie offerierte einen interessanten Deal: Den Sendeplatz von ORF2 und im Gegenzug die exklusiven Vebreitungsrechte von 3+ für einen Zeitraum von laut Insidern 7 Jahren. Damals war das ein gutes Geschäft, schliesslich hatte das Kabelfernsehen ein Quasi-Monopol und SwisscomTV war erst ein Projekt, dessen gelingen noch in den Sternen stand. Heute sieht das anders aus: 350’000 Haushaltungen haben sich unterdessen vom Kabel abgenabelt und an SwisscomTV angeschlossen. Sie alle können 3+ nicht mehr empfangen. Kommt hinzu: 3+ hat sich inzwischen etabliert, verdient Geld und ist derzeit sogar eine der begehrtesten Bräute für eine Übernahme auf dem Schweizer Medienmarkt.

Oder anders gesagt: SwisscomTV wird für 3+ langsam zu einem teuren Problem. Die Ausmasse lassen sich beziffern in dem man die Messung der Reichweite von ORF1 zu Rate zieht. ORF1 hat ein ähnliches Zielpublikum, ist ebenfalls nicht offen via Satellit zu sehen – wird aber im Gegensatz zu 3+ via SwisscomTV verbreitet. Und ORF1 wurde im letzten Jahr von 90% der Deutschschweizer mindestens einmal eingeschaltet – 3+ hingegen nur von 74%. Folglich entgeht 3+ wegen SwisscomTV jeder sechste Zuschauer. Umgerechnet auf den Umsatz des Senders von 15,9 Millionen ergibt einen Betrag von über 2,5 Millionen Franken pro Jahr, die 3+ mit einer Verbreitung via SwisscomTV zusätzlich verdienen könnte.

Ja, die Situation ist grotesk: Erstmals überhaupt scheint sich ein grosser Privatsender in der Schweiz durchzusetzen. Und nun wird sein Wachstum ausgerechnet durch den Vertrag behindert, der die Geburt des Kanals überhaupt erst möglich machte.