sfzweiEine Revolte liegt in der Luft. Die Zeichen mehren sich beinahe täglich: Die Schweiz steht im Fernsehbereich vor einer fundamentalen Zeitenwende. Nachdem das Schweizer Fernsehen über Jahrzehnte durch nichts und niemand erschüttert werden konnte, ist nun erstmals denkbar, dass alle Karten neu gemischt werden.

Es begann mit der Wahl des bisherigen DRS-Radiodirektors Rudolf Matter zum neuen „Superdirektor“. In dieser Funktion ist er ab Januar auch fürs Fernsehen verantwortlich. Zum gleichen Zeitpunkt tritt mit Roger de Weck der neue SRG-Generaldirektor seinen Dienst an. Vor allem Matter wirft aber seine Schatten schon weit voraus. Noch bevor er konkrete Pläne kommuniziert hat, deuten die Zeichen auf einen Paradigmawechsel hin: Weg vom Alles-für-alle-Kanal hin zum Qualitätsfernsehen mit viel Information und nur noch gemässigter Unterhaltung.

corinna scholzWie ernst die Pläne sind und was das bedeuten könnte, zeigte sich an einem simplen Personalwechsel. Am 17. August, kurz nach Matters Wahl, reichte die heutige Chefin von HD Suisse ihre Kündigung ein: Corinna Scholz wechselt im Oktober zu RingierTV. Scholz begann ihre Karriere dereinst bei der Kirch-Gruppe und NBC Universal. Sie gilt in der Branche als versierte Programmplanerin und Senderchefin. Der Wechsel sorgte darum zuerst für Irritation. Denn ausgerechnet RingierTV als reine Produktionsgesellschaft braucht eigentlich keine Person mit dem Profil von Corinna Scholz. Bis einige Tage später bekannt wurde: Ringier wolle eventuell einen eigenen Kanal lancieren. Vermutlich nichts als eine bewusst lancierte Nebelgranate um ganz andere Verhandlungen zu beschleunigen: Denn Ringier habe nämlich 3+ im Auge,  munkelt man. Ausgestattet mit frischem Kapital und gepusht von den reichweitenstarken Ringier-Medien könnte der ganz schnell zum grossen Schweizer Unterhaltungsfernsehen werden. Und damit genau in die Lücke springen, die sich mit den Veränderungen bei SF auftun.

3plusTatsächlich hätte ein vergrössertes 3+ weitreichende Konsequenzen. Die SRG könnte so mit verweis aufs Privatfernsehen viele Sendungen aus dem Programm streichen – ja vielleicht sogar komplett zu 3+ transferieren. Dafür würde sie sicherlich gerade aus der Politik viel Applaus erhalten. Doch das Ganze hat auch eine Kehrseite: Denn die SRG verdient pro Jahr 550 Millionen mit Werbung und Sponsoring, das meiste davon bei SF. Sinken dort die Quoten, sinken auch die Einnahmen. Also muss noch mehr gespart werden als ohnehin schon. Und was liegt da näher, als das unterhaltungslastige SF zwei gleich ganz zu schliessen und in eine billige Kombination aus Kinderprogramm, Zweitverwertung und Sport umzuwandeln. Damit wäre dann der Markt vollends aufgeteilt: Die Privaten machen werbefinanzierte Unterhaltung, die öffentlich-rechtlichen gebührenfinanzierte Information. Ja, es liegt etwas in der Luft. Und es könnte tatsächlich eine kleine Revolution werden.