Sommaruga mit LeuenbergerHeute morgen um 11 Uhr dürften die Chefs von Cablecom und Swisscom in Gedanken vereint gewesen sein. Denn mit dem Rücktritt von Moritz Leuenberger baut sich für die Schweizer Telcos am Horizont eine Gefahr auf: Simonetta Sommaruga, Berner Ständerätin und potentielle Nachfolgerin von Moritz Leuenberger. Doch Carsten Schloter, Chef Swisscom und Eric Tveter, CEO der Cablecom, dürften vor ihr nicht Angst haben, weil sie so wenig Ahnung von Telekommuninkation hat. Nein, gefährlich ist sie, weil sie zuviel weiss. Eine Sommaruga im Bundesrat und vielleicht sogar eine Sommaruga als Vorsteherin des UVEK – das wäre eine Trendwende in der Schweizer Fernmeldepolitik.

Um die Bedeutung dessen zu verstehen, blenden wir genau zehn Jahre zurück. Ende Sommer 2000 lädt die Swisscom 40 Parlamentarier ein, „informiert“ sie über aktuelle Entwicklungen und schenkt jedem von ihnen ein Kickboard im Wert von 270 Franken. Diese publik gewordene Szene verdeutlicht das Maleur unseres Politsystems: Die Telekommunikationspolitik ist ein komplexes Feld. Ein Gebiet, dem die Herrschar der nebenamtlichen National- und Ständeräte kaum gewachsen ist. Wer kann es ihnen verübeln, sitzen doch überdurchschnittlich viele Landwirtschaftsvertreter, Anwälte oder Finanzfachleute im Parlament. Das macht sie empfänglich für die Botschaften von Lobbyisten.

Und so verwunderts kaum, dass die Schweizer Telekommunikationspolitik bislang die Handschrift von Swisscom und Swisscable, dem politischen Organ der Kabelnetzbetreiber, trug. Das rief Simonetta Sommaruga auf den Plan: Als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz erkannte sei frühzeitig die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung von selbst auf den ersten Blick kleinen Entscheidungen im Fernmeldebereich. Und so tat Sommaruga etwas, das Politiker viel zu wenig tun: Sie informierte sich, sie fragte nach, hörte zu.

Gerüstet mit diesem Wissen wurde Simonetta Sommaruga nicht nur zum Schreckgespenst der Telcos, auch das Bundesamt für Kommunikation fühlte sich zunehmend in seiner Ruhe gestört. Bakom-Chef Martin Dumermuth konnte sich diese Woche an der jährliche Pressekonferenz darum auch eine spitze Bemerkung in Richtung Sommaruga nicht verkneifen. Das Thema der freien Boxenwahl sei „publizistisch etwas gar hochgekocht worden“. Hätte der Mann jemals eine Cablecom-Box über längere Zeit in Betrieb gehabt, würde er wohl anders sprechen. Und es zeigt: In der Schweizer Telekommunikationspolitik braucht es endlich Mitwisser. Nachplapperer hatten wir lange genug.