Digi-CardSeit heute ist sie erhältlich und hat schon die erste Klage am Hals: Die Digicard von Cablecom öffnet das digitale Fernsehen auch auf Fernsehgeräten ohne Set-Top-Box. Klingt gut, hat aber in der Praxis drei grosse Nachteile. Und nur ein Vorteil.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Keine externe Box, keine zweite Fernbedienung, kein zusätzlicher Stromverbrauch. Einfach Karte samt Modul in den entsprechenden Schacht beim Fernseher einfügen und schon sieht man 55 digitale Sender. Fast als wären sie analog – nur in besserer Bildqualität. Kosten dafür: Einmalig 99 Franken.

Doch dieses Angebot hat drei grosse Hacken. Nachteil 1: Es funktioniert nur mit neuen Geräten. Denn Voraussetzung dafür ist die Schnittstelle „CI+“. Diese wird nur bei gewissen Marken und dort erst seit einigen Monaten eingebaut. Denn CI+ ist kein offizieller Standard, sondern eine Technik, die von den Fernsehsendern getrieben wird. Das Ziel ist mehr Kontrolle über den Zuschauer zu gewinnen.

Und damit wären wir bei Nachteil 2: Aufnehmen verboten! Ja, Sie lesen richtig. Mit der Digicard wirds möglich, Aufnahmen zu steuern. Zum Beispiel kann verboten werden, dass Werbeblöcke vorgespult werden. Oder Sendungen können nach einer bestimmten Zeit vom Sender selbst gelöscht werden. Wie nun aber die Stiftung für Konsumentenschutz SKS in einem Test herausgefunden hat, geht die Cablecom sogar noch weiter. Sie hat sämtliche Aufnamemöglichkeiten gesperrt. Wer nun also einen Recorder oder einen Fernseher mit Aufnahmemöglichkeit einsetzt, kann weder Sendungen programmieren, noch zeitversetztes Fernsehen nutzen oder die Rec.-Taste drücken. SKS hat darum heute Klage gegen die Cablecom eingereicht.

Nachteil 3: Sie bezahlen, als hätten sie eine Box. Mit der Digicard gibts 55 Sender ohne Aufpreis. Doch schon wer etwas mehr will – etwa ARD und ZDF in HDTV oder Sender wie DMAX, ZDF neo oder Phoenix – der bezahlt. Und zwar je nach Senderzahl zwischen 9 und 25 Franken monatlich. Wer bei Cablecom eine Set-Top-Box mietet, bezahlt gleich viel. Das ist ein bischen so, wie wenn sie eine Eigentumswohnung kaufen würden. Und dann den dazugehörigen Parkplatz nur mieten können – zum Preis der Miete einer 3-Zimmer-Wohnung.

Fazit: Das Angebot der Cablecom rechnet sich nur für diejenigen, die ausschliesslich die grössten Sender nutzen. Und es ist auch nur für Zuschauer, die nie eine Sendung aufzeichnen. Alle anderen sollten weiterhin eine Box mieten.