Roger de Weck

Bislang war der SRG-Generaldirektor in erster Linie ein Politiker. Kein Wunder, denn ehemalige Bundesbeamte, gescheiterte Bundesratskandidaten und Parteiwürdenträger zierten bislang diesen Posten. Und so reagieren viele Medien nach der Wahl von Roger de Weck nach dem alten Muster. Sie ordnen den Neuen politisch ein, sehen seinen Job als medialen Arm der Politik. Doch de Weck kommt nicht aus der Politik. Es ist zu erwarten, dass der Journalist andere Akzente setzen wird als seine Vorgänger. Denn die konzentrierten sich fast unisono aufs Lobbying in eigener Sache. Ohne SRG ging in der Schweizer Medienpolitik lange nichts und geht auch bis heute noch wenig. Schon Leo Schürmann etwa – Direktor bis 1987 – verhinderte mehrere Versuche, in der Schweiz Satellitensender anzusiedeln. Mit möglicherweise fatalen Folgen: In Ländern mit einer damals liberaleren Medienpolitik wie Luxemburg oder England entstanden in der Folge tausende von Arbeitsplätze.

Auch Antionio Riva, Vorgänger des noch SRG-Chefs Armin Walpen, blockierte alles, das nach Konkurrenz aussah. Mehrere private Konzessionsgesuche wurden vom Bundesrat nach massiver SRG-Opposition abgelehnt. Am fatalsten war wohl der von Bundesrat Ogi abgeschmetterte Versuch von RTL im Jahre 1994 ein Programmfenster zu lancieren. Heute weiss man: Der Zeitpunkt wäre ideal gewesen und hätte vermutlich dazu geführt, dass heute die SRG eine starke sprachregionale TV-Konkurrenz hätte.

Armin Walpen änderte dann ab 1996 die Strategie. Konkurrenz wurde nun akzeptiert, jedoch wurden die gefährlichsten potentiellen Konkurrenten eingebunden: Sei es über das das Programmfenster PresseTV oder durch Gebührensplitting für Lokalsender. Das Ziel hat er damit erreicht: Es gibt nach wie vor keine wirklich gefährliche nationale Konkurrenz zu SRG – weder im Radio-, noch im Fernsehbereich. Erst unter Roger de Weck dürfte die Mauer der Opposition endgültig fallen. Zu spät zwar, aber besser als gar nie.