Kräfte schwinden: DVB-H geht offline - Bild SwisscomKein Sex war der Grund. Als sich Ende der 70er mehrere Techniken ein Wettrennen im Kampf um den Videorecorder lieferten, setzte sich VHS gegen das qualitativ eigentlich viel bessere Betamax durch. Auch aus einem ganz simplen Grund: Betamax-Anbieter Sony wollte keine Erotikstreifen auf seinen Kassetten – VHS-Promoter JVC hingegen hatte da weniger Berührungsängste. Nun zeigt sich beim Kampf ums Handy-TV ein ähnliches Bild. Wieder setzt sich eine eigentlich qualitativ schlechtere Technik durch: Das bandbreitenintensive Streaming von Videos und TV hat sich auch auf dem Handy etabliert, die Broadcasting-Variante DVB-H ist faktisch tot. Swisscom etwa setzt bei seinem neuen Produkt Swisscom TV air auf Streaming, das bisher genutzte DVB-H wird abgeschaltet. DVB-H – das war die mobile Variante von DVB-T, dem digitalen Antennenfernsehen.

Die nackten Tatsachen, wieso sich DVB-H nicht durchsetzte sind aber andere als beim Krieg VHS vs. Betamax. Kurz nach der Einführung von DVB-H vor zwei Jahren änderte sich nämlich der Trend: Smartphones lösten die klassischen Handys ab. Doch DVB-H war nach wie vor nur auf klobigen Handys verfügbar, die zu allem Überfluss auch noch auf das auslaufende Bildschirmformat 4:3 setzten. Zudem war die Bedienung alles andere als intuitiv. Kurz: Das pure Gegenteil eines iPhone, das pure Gegenteil der neuen Handygeneration. Eine Totgeburt.

Ähnliches könnte auch dem digitalen Radio DAB wiederfahren. Seit über 10 Jahren versucht die SRG in der Schweiz diese Technik zu etablieren. Erst nach dem AUS des Mittelwellensenders Beromünster gelang es ihr, die Hörerzahlen in den messbaren Bereich zu bringen. Doch seither blieb DAB ein Synonym für die „DRS Musigwälle“: Retro durch und durch. Daran änderte bisher auch ein privates Programmenseble wenig. Neben einigen gut gemeinten, aber kaum gehörten Experimentierradios werden dort verwaiste Sendeplätze mit Bibelradios aufgefüllt. Nein – eine Technik, die sich durchsetzt, hört sich anders an.