codiertEs geht um zwei Gerüchte – beide sind brisant und beide haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Und doch ist zumindest eines der beiden Ereignisse perfekt auf das andere abgestimmt. Mit möglicherweise einschneidenden Konsequenzen für alle Schweizer TV-Konsumenten.

Doch schön der Reihe nach. Gerücht Nummer 1 bezieht sich auf einen Gesetzesentwurf, den Bundesrat Moritz Leuenberger in den nächsten Wochen der Öffentlichkeit vorstellen und in die Vernehmlassung schicken wird. Es handelt sich um das Gesetz in Anlehnung an die „Motion Sommaruga“. In der verlangt die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga ein Verbot der so genannten Zwangsboxen. Dazu wollte Sommaruga ursprünglich die Kabler verpflichten, die digitalen Grundpakete unverschlüsselt zu übertragen. Daran soll sich auch das Gesetz orientieren. Allerdings soll es im Entwurf auch den Einsatz von sogenannten CI-Modulen erlauben. Die können die Kabler an ihre Kunden abgeben – der Konsument kann danach seine eigene Box oder sein TV-Gerät mit eingebauten Digital-TV-Empfänger dazu bringen die codierten Signale zu entschlüsseln.

Gerücht Nummer 2 bezieht sich auf die Cablecom. Die soll in den nächsten Wochen verkünden, dass sie ab sofort auch den Empfang ihre Digital-TV-Angebotes mit anderen Boxen und TV-Geräten erlaubt. Dazu gibt sie ihren Kunden so genannten CI+-Module ab. Mit denen können die Cablecom-Kunden ihre Empfänger zum Entschlüsseln der Cablecom-Signale aufrüsten.

Sollte sich Gerücht 1 und Gerücht 2 bestätigen wird etwas interessantes passieren. Journalisten und Politiker werden die beiden Meldungen lesen und jubeln, das Gesetz sei ja nun schon vor seiner Vernehmlassung erfüllt. Man wird der Cablecom auf die Schulter klopfen, die Menschen werden sich in die Arme fallen – und die Sonne wird wunderschön rot schimmernd im endlosen Meer der Glückseligkeit versinken. Ende gut, alles gut? Mitnichten.

Das Grauen beginnt spätestens beim Versuch, eine Sendung aufzuzeichnen. Der Grund dafür ist das „+“ im Plan der Cablecom. Denn das von Cablecom eingesetzte System „CI+“ unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von dem Simonetta Sommarugas Plan: „CI+“ gibt im Gegensatz zum „alten“ CI den Sendern und Kablern eine fast vollständige Kontrolle über das Aufzeichnen von Sendungen. So wird es möglich, das Überspulen von Werbeblöcken zu blockieren. Oder Sendungen nach einer bestimmten Frist aus dem Archiv des Zuschauers zu löschen. Oder ihm ganz zu verbieten, gewisse Programme mitzuschneiden. CI+ mag aus der Sicht der werbefinanzierten Sender Sinn machen – für den Zuschauer ist es der Abschied von der Selbstbestimmung. Trotzdem deutet alles darauf hin, dass CI+ mit aller Kraft durchgesetzt werden soll. Denn es geht um viel. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich der Zuschauer nicht eines Tages an die gute alte Zeit der Zwangsboxen zurücksehnen wird…