glasfaser

Die Berner Gemeinde Zollikofen verbreitet über ihre eigenes Kabelnetz 47 analoge TV-Programme für eine Grundgebühr von monatlich 8 Franken 50. Dazu gibts auf Wunsch das Internet, Telefon und Digital-TV der Cablecom. Auf den ersten Blick eine Traumsituation – doch Zollikofen will sein Netz verkaufen. Denn die Gemeinde hat erkannt: Die Zukunft ist kompliziert und teuer. Zollikofen geht damit ein Problem an, dass sich bald schon sehr vielen Schweizer Gemeinden stellen wird: Viele TV-Kabelnetze sollten dringend ausgebaut werden, um auch künftige TV-Dienstleistungen wie etwa Sendungen auf Abruf anbieten zu können. Zudem steigt der Bedarf an Internet-Kapazität massiv – für immer mehr Gemeinden ist ein gutes Netz, vielleicht gar in Glasfaser-Netz, zudem ein wichtiger Standortvorteil bei der Ansiedlung neuer Unternehmen. Kurz: Das alles kostet Geld. Doch Zollikofen und viele andere Gemeinden verdienen nur an der Grundgebühr, da sie den Betrieb der Zusatzdienste wie Digital-TV oder Internet ausgelagert haben. Fall von Zollikofen an die Cablecom, andere Netze arbeiten mit Anbietern wie Quickline zusammen. Wieso also sollen solche Gemeinden das Netz auf eigene Kosten ausbauen, wenn der Hauptteil der Zusatzeinnahmen gar nicht in der eigenen Kasse landen?

Anders die Situation beim TV-Netz von Spreitenbach: Auch hier betreibt die Gemeinde ein eigenes Kabelnetz – allerdings liefert die Gemeinde auch Internet und Digital-TV in Eigenregie. Auf den ersten Blick paradiesische Zustände – viele Journalisten, darunter auch ich selbst, klatschten in den letzten Jahren regelmässig Beifall. Doch der Applaus könnte zu früh gewesen sein. Denn auch Gemeinden wie Spreitenbach stehen vor grossen Herausforderungen. Dies zeigt sich am besten bei der Pay-TV-Auswahl: Das Angebot ist wesentlich kleiner und die Preise erheblich teurer als bei Cablecom. Moderne Angebote wie „TV on Demand“ des Schweizer Fernsehens fehlen sogar vollständig. Der Grund dafür ist klar: Den Gemeinden fehlt das Know-How, die Kontakte und auch die notwendige Grösse, um attraktive Angebote aushandeln zu können. Denn gerade im Pay-TV-Bereich werden für jedes Netz eigene Konditionen ausgehandelt. Will das ein Anbieter nicht tun, kauft er vorgefertigte Pakete bei einem „Zwischenhändler“ wie etwa Eutelsat Kabelkiosk. Die Folge: Das Angebot unterscheidet sich inhaltlich kaum vom Satellitenempfang. Doch dafür ist selbst eine Anschlussgebühr von monatlich 10 Franken noch teuer – denn eine Satellitenantenne ist somit nach weniger als zwei Jahren amortisiert.

Kurz: Die Gemeinden sind in einem Dilemma. Mit tiefen Grundgebühren und grossem Analogangebot lassen sich heute immer noch Wahlen gewinnen. Doch ein TV-Netz ist nicht das gleiche wie Strom- oder Wasserversorgung. Und genau das könnte in Zukunft zum Problem werden.