RTL - Familien im Brennpunkt (Bild: pd)Das haben sie jetzt gebraucht. RTL darf heute seinen Werbekunden vermelden, dass der September ganz schön gut lief. Vor allem am Nachmittag schalteten die Leute wieder so richtig herzhaft zu. Fast wie in den guten alten Zeiten von Hans Meiser und Harry Wijnvoord. Doch bei näherem Hinsehen ist der Erfolg ein zweifelhafter. Denn das, was RTL da sendet, ist gelinde gesagt problematisch, wie wir in der neusten Ausgabe von TELE aufzeigen. Es sind Sendungen wie „Familien im Brennpunkt“ oder „Verdachtsfälle“. Da gibts Geschichten die angeblich das Leben schrieb…oder besser gesagt: Geschichten, die der Drehbuchautor schrieb. Aber so dargestellt, als wärs eine reale Doku-Soap, mit realen Menschen, mit realen Situation,. Doch selbst wenn da die Protagonisten auch schon mal sagen „jetzt wirds zu privat, bitte schaltet die Kamera ab“ – es ist alles gespielt.

RTL spricht in diesem Zusammenhang von „gescripteten“ (geschriebenen) Situationen, die sich an realen Ereignissen anlehnen und deklariert diese Sendungen darum offiziell als „Doku“. Brisant ist dabei aber die Frage, wieviele Zuschauer sich bewusst sind, dass das hier nicht die Wirklichkeit ist. Die überraschend hohen Quoten könnten ein Indiz dafür sein, dass ganze Schichten die Fakes schlicht für voll nehmen. Selber schuld? Kaum, denn gerade RTL tut alles, um seine Dokus möglichst real erscheinen zu lassen. Da spricht beispielsweise „Carsten Solberg (44), Polizeisprecher“ frontal in die Kamera, als wär er ein real existierender Polizeisprecher. Der Einblender mit Namen und Funktion unterstreicht das zusätzlich. Nur ganz am Ende ist jede dieser Doku dann wirklich noch real: „Alle handelnden Personen sind frei erfunden“, ist im da zu lesen. Für drei Sekunden.