Sie ist der Überraschungshit dieses Herbstes: “Two and a half men” erzielt auf Pro Sieben Traumquoten. In der Schweiz ist die Comedyserie mit Charlie Sheen nach “Popstars ” die am häufigsten gesehene Pro Sieben-Sendung. Doch nächsten Dienstag, 3. November, kriegen die Schweizer nur die Hälfte mit: Pro Sieben Schweiz blendet nämlich hierzulande die zweite Episode der Doppelfolge aus. Und zwar zu Gunsten einer Eigenproduktion über “Beach Soccer“. Die Schweiz, ein Land des Strandfussballs? Lohnt sich deswegen ein solcher Entscheid? Der Quoten wegen kaum, trotzdem ist er vermutlich kein Zufall. Denn Beach Soccer läuft damit nach der ersten Folge “Two and a Half men” und vor der Premiere der neuen Staffel von “Stromberg” um 22.15 Uhr – ein Traumtermin für jeden Sponsor. Für die Zuschauer hingegen weniger. Denn denen bleibt damit als einziger Ausweg nur die Wiederholung von “Two and a half men”. Um 00.45 Uhr darf dann nämlich auch die Schweiz die verpasste Episode sehen.
Archives for Oktober, 2009
Two and a half men: Pro Sieben blendet Onkel Charlie aus
Lets Schock! Schiffbruch für Kabel eins-Rockshow
Es sollte das Zeitalter des Musikfernsehens zurückbringen, ein neues Kapital aufschlagen. Doch nun ist klar: Der Versuch von Kabel eins, mit Musik wieder Quote zu machen ging schief. “Number one” mit MTV-Legende Markus Kavka interessierte bei der Premiere nur eine halbe Million Deutsche. Trotz Starmoderator und trotz Staraufgebot: U2-Sänger Bono war in der ersten Sendung zu Gast. Es muss wie eine Ohrfeige sein für Kabel eins-Chef Jürgen Hörner, der privat ein bekennender Musikliebhaber ist. Und ist wohl der das schnelle Ende vom kurzen Anfang einer neuen Musikwelle. Denn bereits am letzten Sonntag erlebte RTL2 mit seiner Musikparty “Die neue Hitparade” ein Fiasko. Auch hier warens mit Aleksandra Bechtel und Jochen Bendel zwei bekannte Gesicher früherer Musikshows. RTL2 und Kabel eins müssen wohl einsehen: Heute spielt die Musik woanders.
Cablecom mit CI-Modul: Zu früh gefreut?
Das war eine Überraschung. Anlässlich der Bieler Kommunikationstage verkündete der neue Cablecom-Chef Eric Tveter, man überlege sich “die Einführung von Common Interface Modulen der neusten Generation, um die freie Wahl von Set-Top-Boxen zu gewährleisten.” Will heissen: Der Kunde bekäme ein Modul, mit dem er eine Set-Top-Box nach Wahl oder ein Digital-TV-tauglicher Fernseher für den Empfang von Cablecom Digital-TV einsetzen könnte. “Sie bewegt sich doch” jubelt deshalb der Blick in seiner neusten Ausgabe. Und übersieht dabei einen entscheidenden Satz in der Mitteilung der Cablecom: “Module der neusten Generation”.
Zwar will die Cablecom auf Anfrage nicht präzisieren, was damit gemeint ist, aber diese Formulierung deutet auf den neuen Standard “CI+”. Und der hat zwei entscheidende Nachteile:. Einerseits lassen sich diese Module nur mit neuen, noch seltenen Boxen und Fernsehern verwenden. Andererseits ermöglicht CI+ eine teilweise Kontrolle über das Fernsehverhalten des Zuschauers. So kann ihm damit beispielsweise verunmöglicht werden, Sendungen aufzuzeichnen, vorzuspulen oder Werbung zu überspringen. Sender wie RTL wollen dies auch so schnell wie möglich in die Praxis umsetzen.
Quickline mit HDTV: Ein Kleiner gibt scharf
Noch ist es nicht offiziell, aber alle Zeichen deuten auf scharfe Zeiten hin für Kunden des Schweizer Digital-TV-Anbieters Quickline – das primär Gemeinden in den Kantonen Bern, Solothurn und Wallis bedient. Quickline will offenbar in diesen Tagen mehrere neue HDTV-Programme aufschalten: ARD HD, ZDF HD und Eins Festival HD. Zwar befinden sich diese Anbieter immer noch im Testbetrieb – aber zumindest bei ARD und ZDF beginnt am 12. Februar mit den olympischen Winterspielen das reguläre HDTV-Zeitalter. Also noch genügend Zeit für Swisscom und Cablecom nachzuziehen.
Die grössten Schweizer Hits: Die Quote ist ein Flop
Aktuelle Hits und Retrofeeling: Das Kombipaket, dass “Die grössten Schweizer Hits” in seiner vierten Staffel schnürt ist gewagt. Songs aus den Jahren 2008 und 2009 wurden in der ersten Ausgabe bunt gemischt mit humorlos realisierten Retroreportagen. Wie etwa der über die Emanzipation des Mannes: Der blickte, so erfuhren wir, erst ab 1969 in den Spiegel, um sich 1984 dann – Skandal! – im ersten Stripclub für Frauen auszuziehen. Ein für viele Zuschauer ungeniessbares Rezept – die Quote ist deutlich tiefer als noch bei der letzten Staffel: 761′000 Menschen, das waren 35% aller TV-Zuschauer um diese Zeit. Besonders interessant: Beim vorangehenden “Meteo” warens noch 52% Marktanteil, es müssen also aussergewöhnlich viele weggezappt haben. Das auch im Vergleich zum letzten Jahr, als noch 933′000 (46,6% Marktanteil) zuschauten. Damit ist ist klar: Dieser Hit wird kein Ohrwurm.
SF startet “TV on demand”: Schwarzer Schirm bei BluewinTV
Mit stolzer Brust verkündet die Cablecom eine kleine Revolution: Ab sofort können ihre Digital-Kunden alle Eigenproduktionen des Schweizer Fernsehens auf Knopfdruck ansehen. Einfach Sendung anwählen, starten, nach Belieben spulen. Fast so, als hätte man sie selbst aufgezeichnet. Und das ohne Aufpreis, allerdings vorerst nur in der Region Zürich. Die anderen Regionen kommen schrittweise hinzu – bis Ende 2010 soll “TV on demand” fast überall verfügbar sein. Auch in anderen Kabelnetzen, die nicht zur Cablecom gehören.
Und bei BluewinTV? Man beobachte noch den Markt und die Kundenwünsche, lässt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze ausrichten. Interne Quellen hingegen sprechen von mehr als lockerem Beobachten. Man sei sich nämlich nicht ganz einig über das weitere Vorgehen. “On Demand” – also auf Abruf – solls, so wollen es die einen, bei BluewinTV nur kostenpflichtiges Exklusiv-Material geben. Das Schweizer Fernsehen aber besteht explizit auf einem kostenlosen Angebot. Das Abwarten von Swisscom irritiert. Denn sie wäre als einziger Anbieter derzeit in der Lage, das Angebot für alle Kunden sofort verfügbar zu machen. Stattdessen lässt sie mit ihrem Zögern den Vorsprung auf die Kabler schmelzen.
Branchenkenner sprechen beim neuen SF-Angebot von einer Killerapplikation. Also von einem Angebot, dass das Potential hat, Kunden von einem Wechsel zu einem anderen Anbieter zu bewegen. Denn egal ob als Podcast, auf sf.tv oder über SF info – wann immer das Schweizer Fernsehen bislang schon etwas zeitversetzt oder auf Knopfdruck anbietet, greifen die Schweizer überdurchschnittlich gerne zu. Längere und flexiblere Arbeitszeiten – aber auch das verhältnismässig kleine Angebot an schweizerischen Sendungen dürfte der Grund sein.
“ZDF Neo”: Das Ende von 20 Uhr 15?
Gute Filme, interessante Serien, spannende Doku-Soaps: Ab dem 1. November lehrt das ZDF mit seinem neuen Digitalkanal ZDF Neo den Privaten mit einem überraschend attraktiven Programm das Fürchten. Doch nicht nur die geplanten Inhalte sind anders als vom ZDF gewohnt – auch die Sendezeiten. Denn das Hauptabendprogramm beginnt nicht um 20.15, sondern erst um 21 Uhr. Damit bricht ausgerechnet das ZDF mit einer der eisernsten Regeln der TV-Geschäfts. Denn seit den ersten Sendetagen starten die deutschsprachigen Sender ihr Hauptprogramm um 20.15 – das Schweizer Fernsehern bis 1979 um 20.20, seit 1980 um 20.00 beziehungweise 20.05 Uhr. Auch flexiblere Arbeitszeiten und ein späterer Ladenschluss haben daran bis heute nichts geändert.
Ein Blick auf die Fernsehnutzung zeigt denn auch: In der Schweiz erreicht das Fernsehen kurz nach neun seinen Höhepunkt – um danach sanft wegzuschlafen. So schauen bereits um 22 Uhr wieder gleich viel zu wie um 20 Uhr. Und bereits um 23 Uhr ist der Stand wieder gleich tief wie um 18.30 Uhr. Und noch ein Trend: Je jünger, desto später. Das ZDF dürfte also mit seiner Strategie gar nicht so falsch liegen. Es fragt sich sicher nicht, ob um 21 Uhr jemand einschalten will. Interessanter sein wird die Frage, ob jemand umschalten wird.
HD+: Kein RTL-HDTV in der Schweiz. Zum Glück!
Zuerst die gute Nachricht: RTL sendet ab 1. November in HDTV. Vox auch. Sat.1, Pro 7 und Kabel eins folgen am 1. Januar. Nun die schlechten Nachrichten: 1.) Das alles gibts nur über Satellit. 2.) Nur mit einem HD+-tauglichen Receiver oder Fernseher 3.) Im ersten Jahr gratis, ab dem zweiten für 50 Euro (75 Franken) pro Jahr. 4.) Wer die Programme aufzeichnet, kann beim abspielen die Werbung nicht überspulen. Bei soviel Vorgaben ist Bad News Nummer fünf dann eigentlich schon wieder eine Good News: In der Schweiz ist HD+ nämlich vorerst nicht erhältlich. Denn der Fall ist ganz offensichtlich – die deutschen Privatsender versuchen einmal mehr technische Kontrolle über ihr Programm zu erlangen. Diesmal über die Einführung einer neuen Technologie. Eine Technik notabene, die schon bald zum Standard werden soll. So wird die SRG ab 2015 ausschliesslich in HDTV senden. Allerdings kostenlos und ohne technische Fesseln.
IPTV: Schweiz überholt USA – dank Swisscom
Eine auf den ersten Blick unbedeutende Meldung fand sich am Samstag in der Schweizer “Finanz und Wirtschaft“. Die USA, so steht dort, habe ein kräftiges Wachstum in der Nutzung von IPTV (Fernsehen das nach Standard des Internetprotokoll über Telefonleitung oder Glasfaser übertragen wird). Es solle von derzeit 5% aller Haushaltungen bis 2013 auf 13% anwachsen, prognostizieren schlaue Analysten. Klingt nach viel, klingt nach Zukunft. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Nicht in den USA, sondern in der Schweiz steppt der IP-Bär. Das kleine Land im Herzen Europas hat das Riesenreich in Sachen IPTV nämlich längst überholt.
Ende Juni nutzten in der Schweiz bereits 6% aller Haushaltungen ein populäres IPTV-Produkt: BluewinTV der Swisscom. Und es werden täglich mehr – zwischen Juni 2008 und Juni 2009 betrug das Wachstum satte 106 Prozent. Geht es so weiter, nutzen in der Schweiz bereits in einem Jahr 13% aller Haushaltungen Bluewin-TV. Damit ist IPTV dann definitiv kein schwammiges Zukunftsprodukt irgendwo in einem fernen Land, sondern für viele Schweizer Haushaltungen eine echte Alternative zum Kabelanschluss. Oder anders gesagt: Die Schweiz war in den 50ern eines der ersten Länder der Welt, das Kabelnetze baute. Und vielleicht ist es eines der ersten, dass sich davon wieder verabschiedet.
Retter im Einsatz: Die neue Führung der Cablecom
Seit heute ist klar – der neue Vizechef der Cablecom heisst Koen Verwee, ist 40 und kommt aus Belgien. Zusammen mit dem ebenfalls frisch gekührten Verkaufschef Raymond Löhr aus Holland und dem seit Mai amtierenden CEO Eric Tveter, Amerikaner, geht nun die internationale Truppe ans Werk den grössten Schweizer Kabel-TV-Anbieter in eine goldene Zukunft zu führen. Eine Herkulesaufgabe, denn die Cablecom krankt an Vertrauensverlust und schlechtem Ruf – vorallem in der Schweiz hochansteckende und nur schwer heilbare Wirtschaftsinfektionen. Der Schweizer Konsument trägt in sich genetische Eigenschaften, die im Business-Alltag immer wieder unterschätzt werden: Er will Qualität, Nachhaltigkeit, Offenheit. Auf den ersten Blick alles Details, die sich leicht mit einer Werbekampagne kaschieren lassen. Doch das funktionierte hierzulande noch nie – der kritische Kunde prüft nämlich nach. Kein Wunder gehört zu den Top-Medienmarken hierzulande keine Sportgazette, dafür aber Angebote wie der Kassensturz, KTipp, Saldo oder Beobachter. Auf den Telekommunikationsmarkt kommen darum spannende und auf die Cablecom entscheidende Zeiten zu.
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