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Die neusten Quartalszahlen der Cablecom sind, da gibt es überhaupt nichts schön zureden, schlecht. Sogar alarmierend. Denn ausgerechnet im derzeit grössten Wachstumsmarkt – beim digitalen Fernsehen – verliert die Cablecom erstmals in der Geschichte Kunden. Oder anders ausgedrückt: In diesem Bereich, wo sich täglich neue Kunden aufschalten lassen, scheinen sich derzeit mehr ab- als anzumelden. Und zwar, das zeigen wiederum die neusten Swisscom-Zahlen, in Richtung Bluewin-TV. Sowie, das zeigen wiederum Reaktionen aus dem Fachhandel, offenbar auch in Richtung Satelliten-TV.

Ironie des Schicksals: Noch nie war das inhaltliche Angebot der Cablecom so gut wie heute. Die angebotenen Sender und die Preise der Pay-TV-Pakete sind die derzeit attraktivsten im ganzen deutschsprachigen Raum. Einzig beim Kundendienst und bei den eingesetzten Empfangsgeräten gibt es noch Probleme. Und so büsst die Cablecom heute für Fehler, die vor Jahren gemacht wurden.

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Die Geschichte des Debakels beginnt an einem trüben Herbsttag im Jahre 1999. Unter dem Namen „Swissfun“ lanciert die Cablecom – damals noch in Besitz von Veba, Siemens und Swisscom (sic!) – ihr erstes digitales TV-Angebot. Es ist mager und mit 16 Franken monatlich ziemlich teuer. Und es ist ein Flop. Zwei Jahre später setzt das Management die Daumenschrauben an. Mit der sukzessiven Abschaltung von Sendern soll Platz im Kabel und ein Anreiz zum Wechsel auf die neue Technologie geschaffen werden. Damit will die inzwischen völlig überteuert verkaufte und hochgradig verschuldete Cablecom an mehr Geld kommen. Denn ein Ausbau des Netzes liegt nicht drin und somit auch nicht ein Ausbau des digitalen Angebotes. Cablecom geht dabei Schritt für Schritt vor: Zuerst trifft es fremdsprachige Angebote. Türken, Griechen, ex-Jugoslawen, Portugiesen – sie alle legen zwar Protest ein, doch der wird in den Medien nicht aufgegriffen. Erst als 2004 erstmals Sender in den Landessprachen abgeschaltet werden, geht ein Aufschrei durch die Medien. Derweil ist der monatliche Mietbetrag für die eingesetzt Box auf 25 Franken gestiegen. Insider schätzen den Gewinn pro Digitalkunde auf 20 Franken – ein lukratives Geschäft. Durch die Hintertür soll eine neue Technologie dazu genutzt werden, ein zweites Kassenhäuschen aufzustellen. Das erste läuft diskret über die Nebenkostenabrechnung, da fallen die effektiven Kosten nicht gross auf. Das konnte nur schief gehen. Und es ging schief.

Denn es brennt 2004 bereits schon an allen Ecken und Enden. Weil die Cablecom wieder mal fit gemacht wird für den Verkauf, werden die Kosten tief gehalten. Etwa im Kundendienst. Die hohen Preise, der zunehmend überforderte Support und obendrauf noch eine defensive Kommunikationspolitik lösen eine Abwärtsspirale aus, die bis heute nicht gestoppt werden konnte. Die Investoren der NTL, die Cablecom Anfang 2000 gekauft haben, hatten damals schlichtwegs das Qualitätsbewusstsein der Schweizer unterschätzt. Zum Verhängnis wurde ihnen zudem eine andere typisch schweizerische Eigenschaft: Lässt die Qualität nach, wartet der helvetische Kunde ab – doch ist der Ruf einmal zerstört, lässt er sich nur mit Mühe wieder reparieren.

cablecomUnd heute? Im Frühling 2007 hat die Cablecom eigentlich die Wende geschafft. Auf Druck des Preisüberwachers sank der Preis für die Miete der digitalen Set-Top-Box auf sechs Franken. Dafür gibts 120 Sender und für weitere 15 Franken ein Pay-Paket, das in anderen Netzen der Schweiz und Deutschland das vier bis fünffache kostet. Doch möglicherweise kam diese Offensive zu spät. Und so kann die Swisscom stattdessen mit ihrem Bluewin-TV den Massenmarkt erobern. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet in der Schweiz, die sich so schwer mit Digital-TV tut, setzt sich nun ein IPTV-Produkt durch. Eine Weltpremiere. Und eine spannende Wirtschaftsgeschichte. Denn vor acht Jahren wollte man doch nur ein bisschen mehr verdienen. Und bezahlt das nun teuer.